Ab welchem Blutzucker bekommt ein Intensivpatient Insulin?

Kritische Erkrankung, Operation und Trauma lösen eine Stressreaktion aus. Die Folge sind Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte. Der Zusammenhang zwischen Blutzucker und Sterblichkeit auf der Intensivstation verläuft U-förmig, mit dem niedrigsten Risiko im altersentsprechenden Nüchternbereich. Solche Beobachtungsdaten sind allerdings durch die Schwere der Erkrankung verzerrt, weshalb es randomisierte Studien braucht.

Ab welchem Blutzucker bekommt ein Intensivpatient Insulin?

Albumin oder Gesamteiweiß im Urin: Macht es für die Prognose bei CKD einen Unterschied?

Die Leitlinien empfehlen zur Einschätzung der chronischen Nierenerkrankung die Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin (UACR). Der Grund: Sie ist statistisch enger mit Nierenversagen verbunden als die Protein-Kreatinin-Ratio (UPCR). Die UACR braucht aber ein immunturbidimetrisches Verfahren, das nicht überall verfügbar ist. Die UPCR läuft mit breit verfügbarer Kolorimetrie.

Albumin oder Gesamteiweiß im Urin: Macht es für die Prognose bei CKD einen Unterschied?

Wann solltest du bei Bluthochdruck an einen primären Hyperaldosteronismus denken?

Der primäre Hyperaldosteronismus ist häufig und bleibt oft unerkannt. Ein JAMA Insights von Rafey, Davis und Hamrahian fasst zusammen, was die Leitlinien der Endocrine Society und von AHA und ACC aus dem Jahr 2025 zu Screening, Diagnostik und Therapie sagen. Es ist eine kurze klinische Übersicht, keine neue Studie. Für den Alltag ist sie trotzdem nützlich, weil sie die beiden Leitlinien nebeneinanderstellt.

Wann solltest du bei Bluthochdruck an einen primären Hyperaldosteronismus denken?

CO2 aus dem Blut filtern: Hilft das beim Weaning vom Beatmungsgerät?

Ein randomisierter Trial endet nach 18 von 192 geplanten Patienten, weil der Sponsor die Finanzierung einstellt. Was bleibt davon?

Kohlendioxid aus dem Blut filtern: Hilft das beim Entwöhnen vom Beatmungsgerät?

Ein im Labor gezüchtetes Blutgefäß als Dialysezugang

Viele Dialysepatienten bekommen nie einen Shunt, der sich punktieren lässt. Ein im Labor gezüchtetes Blutgefäß soll das ändern. Jetzt gibt es erste randomisierte Daten.

Ein im Labor gezüchtetes Blutgefäß als Dialysezugang

Kortison beim akuten Lungenversagen: nicht ob, sondern wann

Kortikosteroide beim akuten Lungenversagen, dem ARDS, waren jahrzehntelang umstritten. Ein Narrative Review in Intensive Care Medicine sortiert die Datenlage neu: Die Frage ist nicht mehr, ob Steroide wirken, sondern bei wem, wann und welches.

Kortison beim akuten Lungenversagen: nicht ob, sondern wann

Lungenembolie mit normalem Blutdruck — und trotzdem im Schock

Reperfusion — Lyse, Katheterverfahren oder chirurgische Embolektomie — blieb bisher der Hochrisiko-Lungenembolie vorbehalten: Kreislaufstillstand, obstruktiver Schock mit Hypotonie, anhaltende Hypotonie unter 90 mmHg systolisch, wie nach ESC 2019 definiert. Wer normotensiv war, bekam Antikoagulation und Überwachung, auch bei Belastung des rechten Ventrikels.

Lungenembolie mit normalem Blutdruck — und trotzdem im Schock

Staphylokokken im Blut — kompliziert oder unkompliziert zählt nicht mehr

Nach dieser einen Frage richtete sich bei der Bakteriämie mit Staphylococcus aureus seit Jahren die Therapiedauer. In ihren neuen Konsensus-Statements verabschieden sich IDSA und ESCMID davon und stratifizieren stattdessen nach niedrigem und erhöhtem Risiko.

Staphylokokken im Blut — kompliziert oder unkompliziert zählt nicht mehr

Drei KI-Tools, die unseren klinischen Alltag verändern – jetzt, nicht irgendwann

Nephrologie · Digitale Medizin

KI wird unseren Workflow mehr verändern, als wir uns heute schon vorstellen können. Noch unterschätzen wir das. Wer jetzt anfängt, die richtigen Tools zu nutzen, gewinnt Zeit, Qualität – und Kontrolle darüber, wie diese Veränderung stattfindet.


1 OpenEvidence

Evidenzbasierte Entscheidungsunterstützung am Point of Care

Wer klinische Fragen schnell und belastbar beantworten will, kommt an OpenEvidence kaum vorbei. Das Tool greift auf über 35 Millionen peer-reviewte Quellen zurück, zeigt zu jeder Antwort die zugrundeliegende Literatur – und sagt klipp und klar, wenn die Evidenzlage dünn ist. Das unterscheidet es von generischen Chatbots, die keine Quellenangaben machen und Lücken mit plausibel klingendem Text füllen.

In der Praxis ist OpenEvidence ein echter Gewinn: Leitlinienabfragen, Dosierungsfragen, differenzialdiagnostische Überlegungen – alles in Sekunden, belegt und nachvollziehbar. Der Zugang ist auf verifizierte Ärzte beschränkt, was die Qualität des Systems sichert.

Kritisch bleiben: Kein Tool ist fehlerfrei. Gelegentlich fehlen aktuelle oder spezialisierte Quellen – besonders in Nischenbereichen wie der Nephrologie. Antworten kritisch lesen, bei relevanten Entscheidungen gegenprüfen. OpenEvidence ist Unterstützung, kein Ersatz für klinisches Urteilsvermögen.


2 NotebookLM

Komplexe Quellen verstehen, aufbereiten, weiterverwenden

NotebookLM von Google löst ein Problem, das jeder kennt: Stapel von PDFs, Leitlinien, Webseiten und Videovorlesungen, die man eigentlich lesen, hören oder strukturieren wollte – und es nie schafft. Man lädt die Quellen hoch, und das Tool antwortet ausschließlich auf dieser Basis. Keine externen Halluzinationen, kein generisches Wissen – nur das, was man selbst eingespeist hat.

Was das Werkzeug besonders macht: Es transformiert Inhalte. Aus einem komplexen Review-Artikel lässt sich ein strukturiertes PDF erstellen, ein Podcast-Script, eine Zusammenfassung für Weiterbildungszwecke – oder ein kurzes Audio, das man beim Pendeln hören kann. Das spart nicht nur Zeit, es verändert, wie man mit Wissen umgeht.

Hinweis: Auch hier gilt: Die KI kann Fehler machen, besonders bei komplexen oder mehrdeutigen Quellen. Ergebnisse vor Weiterverwertung prüfen – vor allem, wenn sie in die Patientenversorgung oder Lehre einfließen sollen.


3 Claude

Vielseitiger KI-Assistent – mit klaren Grenzen im klinischen Kontext

Claude (von Anthropic) ist ein leistungsfähiger generativer KI-Assistent, der für sehr unterschiedliche Aufgaben nützlich ist: Texte strukturieren, Briefe formulieren, komplexe Sachverhalte erklären, Literatur zusammenfassen, Ideen entwickeln oder CME-Inhalte vorbereiten. Wer viel schreibt, plant oder recherchiert, wird schnell merken, dass Claude substanzielle Arbeitszeit einspart.

Anders als OpenEvidence ist Claude kein spezialisiertes Medizintool – es ist ein Allrounder mit hohem Sprachniveau und guter Kontextsensitivität. Es versteht medizinische Fachsprache, kann nephrologische Sachverhalte differenziert erläutern und ist in der Lage, aus langen Texten prägnante Strukturen zu destillieren.

Datenschutz – DSGVO zwingend beachten: Keine Patientendaten, keine personenbezogenen Informationen in Claude eingeben. Die Standardversion speichert Konversationen, und eine EU-konforme Datenverarbeitung nach DSGVO ist in der Basisversion nicht garantiert. Für administrative und konzeptionelle Aufgaben ohne Patientenbezug ist Claude hervorragend geeignet – sobald es um klinische Dokumentation oder patientenbezogene Inhalte geht, müssen datenschutzrechtliche Anforderungen (DSGVO, ggf. §203 StGB) konsequent eingehalten werden.


Diese drei Tools sind keine Spielerei – sie sind bereits jetzt im Einsatz, und ihre Möglichkeiten wachsen schnell. Die entscheidende Frage ist nicht ob KI unseren Alltag verändert, sondern ob wir diese Veränderung aktiv gestalten oder passiv erleben. Wer jetzt anfängt zu verstehen, was diese Werkzeuge leisten, wird besser vorbereitet sein – für das, was noch kommt.

Safety First in der Intensiv- und Notfallmedizin

6 Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit

Die Intensiv- und Notfallmedizin ist eine besonders sensible und herausfordernde Umgebung, in der die Patientensicherheit von entscheidender Bedeutung ist.

Foto von JC Gellidon auf Unsplash

Das stressiges und unruhige Arbeitsumfeld begünstigt Fehler in der Patientenversorgung ebenso wie eine mitunter dünne Personaldecke und punktuell erhöhtes Arbeitsaufkommen. Umso mehr muss in die Verbesserung der Patientensicherheit investiert werden, um Fehler in der Versorgung zu vermeiden.

Hier sind sechs konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit in der Intensiv- und Notfallmedizin:

  1. Einführung von Checklisten und standardisierten Protokollen: Die Implementierung von Checklisten für häufige Notfall- und Intensivbehandlungen sowie die Entwicklung standardisierter Protokolle für kritische Situationen können dazu beitragen, potenzielle Fehler zu vermeiden und eine konsistente Behandlungsqualität sicherzustellen.
  2. Regelmäßige Schulungen und Simulationen: Kontinuierliche Schulungen und Simulationen für das medizinische Personal in der Intensiv- und Notfallmedizin sind entscheidend, um die Fähigkeiten und das Wissen bei der Behandlung von lebensbedrohlichen Situationen zu verbessern. Diese Schulungen sollten gerade auch Teamarbeit und Kommunikation in Stresssituationen fördern.
  3. Einsatz von Technologie zur Unterstützung der Patientenüberwachung: Fortschrittliche Technologien zur Überwachung von Vitalparametern und zur Früherkennung von Komplikationen können dazu beitragen, die Patientensicherheit zu verbessern, indem sie es dem medizinischen Personal ermöglichen, schnell auf sich verändernde Zustände zu reagieren und angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Hier stehen wir noch sehr am Anfang der Entwicklung, wir sollten aber an der Fortentwicklung teil haben und sie aktiv befördern.
  4. Förderung einer offenen Kommunikationskultur: Eine offene und transparente Kommunikationskultur zwischen allen Mitgliedern des Behandlungsteams ist entscheidend, um potenzielle Fehler und Missverständnisse zu vermeiden. Ein regelmäßiger Austausch von Informationen und die Klärung von Fragen können dazu beitragen, die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.
  5. Sicherstellung angemessener Personalressourcen: Die Bereitstellung ausreichender Personalressourcen in der Intensiv- und Notfallmedizin ist unerlässlich, um eine qualitativ hochwertige Versorgung und eine angemessene Überwachung der Patienten sicherzustellen. Eine angemessene Personalbesetzung reduziert nachgewiesenermaßen das Risiko von Überlastung und ermöglicht eine bessere Aufmerksamkeit für jeden Patienten.
  6. Etablierung von Qualitätskontroll- und Verbesserungsprogrammen: Die Implementierung von Qualitätskontroll- und Verbesserungsprogrammen ermöglicht es, kontinuierlich die Sicherheitsstandards zu überprüfen und zu verbessern. Durch regelmäßige Überprüfungen, Audits und Rückmeldungen können Schwachstellen identifiziert und Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung eingeleitet werden.

Wenn diese Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, können wir die Patientensicherheit in der Intensiv- und Notfallmedizin verbessern und eine qualitativ hochwertige Versorgung für kritisch kranke Patienten gewährleisten. Welche Maßnahmen haben in Eurer Institution die Versorgung verbessert? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

Foto von JC Gellidon auf Unsplash