Was Ärzte vom Segeln lernen können: Ein Blick auf Teamwork, Resilienz und Innovation

Das Segeln und die Medizin mögen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten sein, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich einige Parallelen und wertvolle Lektionen, die Mediziner von Seglern lernen können. Beide Bereiche erfordern Präzision, Teamarbeit, Anpassungsfähigkeit und ständige Innovation. Hier beleuchten wir, welche Erkenntnisse aus dem Segelsport in den medizinischen Alltag integriert werden können.

1. Teamarbeit und Kommunikation

Auf einem Segelboot ist Teamarbeit von entscheidender Bedeutung. Jede Person an Bord hat eine spezifische Rolle, und nur durch effektive Kommunikation und Zusammenarbeit kann das Boot sicher navigiert werden. Dies gilt ebenso für das Gesundheitssystem. In Krankenhäusern und Kliniken arbeiten Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten und Verwaltungskräfte Hand in Hand, um die bestmögliche Versorgung der Patienten sicherzustellen. Eine klare Kommunikation und ein harmonisches Miteinander sind dabei unerlässlich.

Lektion: Regelmäßige Teambesprechungen und klar definierte Kommunikationswege können helfen, Missverständnisse zu vermeiden und die Patientenversorgung zu verbessern.

2. Resilienz und Stressbewältigung

Segler sind oft extremen Bedingungen ausgesetzt – von stürmischen Winden bis hin zu langen Zeiten der Isolation auf See. Diese Herausforderungen erfordern eine hohe psychische und physische Belastbarkeit. Ähnlich stehen Ärzte unter ständigem Druck, schnelle und präzise Entscheidungen treffen zu müssen, oft in lebensbedrohlichen Situationen.

Lektion: Der Aufbau von Resilienz ist entscheidend. Stressmanagement-Programme und regelmäßige psychologische Unterstützung können helfen, die Belastbarkeit des medizinischen Personals zu stärken.

3. Anpassungsfähigkeit und Improvisation

Beim Segeln kommt es häufig zu unvorhergesehenen Ereignissen, die schnelles Handeln und kreative Lösungen erfordern. Ob ein plötzlicher Wetterumschwung oder technische Probleme – Flexibilität und Improvisationstalent sind gefragt. Auch im medizinischen Bereich ist die Fähigkeit, sich schnell an neue Situationen anzupassen, von unschätzbarem Wert. Dies zeigte sich besonders während der COVID-19-Pandemie, als Gesundheitseinrichtungen weltweit gezwungen waren, ihre Arbeitsabläufe und Strukturen in kürzester Zeit anzupassen.

Lektion: Die Förderung einer Kultur der Flexibilität und Innovationsfreude kann dazu beitragen, dass medizinische Teams besser auf unvorhergesehene Herausforderungen reagieren können.

4. Weiterbildung und Training

Segler durchlaufen intensive Trainingsprogramme, um auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereitet zu sein. Regelmäßige Fortbildungen und Übungen sind ein fester Bestandteil ihres Lebens. Auch im medizinischen Bereich ist kontinuierliche Weiterbildung essentiell, um auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben und die Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.

Lektion: Investitionen in regelmäßige Fort- und Weiterbildungen sowie Simulationstrainings können die Kompetenzen des medizinischen Personals erheblich steigern.

5. Sicherheitskultur

Der Segelsport legt großen Wert auf Sicherheitsprotokolle und Präventionsmaßnahmen. Sicherheitstraining und das Bewusstsein für potenzielle Gefahren sind integrale Bestandteile der Ausbildung von Seglern. In der Medizin kann eine starke Sicherheitskultur dazu beitragen, Fehler zu minimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Lektion: Die Implementierung strenger Sicherheitsprotokolle und regelmäßiger Schulungen kann dazu beitragen, das Risiko von Behandlungsfehlern zu verringern und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Fazit

Das Segeln bietet viele wertvolle Lektionen für den medizinischen Bereich. Durch die Übernahme von Prinzipien wie Teamarbeit, Resilienz, Anpassungsfähigkeit, kontinuierliche Weiterbildung und einer starken Sicherheitskultur können Gesundheitseinrichtungen ihre Effizienz und Qualität der Versorgung verbessern. Letztlich profitieren sowohl das medizinische Personal als auch die Patienten von diesen integrierten Ansätzen. In einer immer komplexer werdenden Welt ist es entscheidend, über den Tellerrand zu schauen und aus den Erfahrungen anderer Bereiche zu lernen.

Surviving Sepsis Campaign 2026: Der Trend heißt Weglassen

Rund 90 Empfehlungen — und das auffälligste Muster ist, was künftig NICHT mehr gegeben werden soll.

Die Surviving Sepsis Campaign 2026 ist veröffentlicht (ESICM/SCCM, zeitgleich in Intensive Care Medicine und Critical Care Medicine, rund 90 Empfehlungen) — und der auffälligste Trend ist Weglassen.

Die konkreten Änderungen (2021 → 2026)

  • MAP-Zielwert: 2021 einheitlich 65 mmHg. 2026 differenziert — ab 65 Jahren 60–65 mmHg (niedriger), sonst weiter 65 mmHg. Grundlage: ein offener Trial bei 65+ zeigte für das niedrigere Ziel eine geringere Mortalität (RR 0,89; 95 %-KI 0,81–0,98).
  • Betablocker im septischen Schock (Esmolol/Landiolol): 2026 neu — Empfehlung dagegen.
  • Fieber senken: 2026 dagegen, wenn Antipyretika allein zur „Outcome-Verbesserung“ gegeben werden (13 RCTs, 3.333 Patient:innen, kein Mortalitätsvorteil: RR 1,02). Zur Symptomkontrolle bleiben sie ok.
  • Klinik-Programm: Screening + SOPs ausgeweitet zur STARKEN Empfehlung; „Code Sepsis“/„Sepsis-Huddle“ neu als konditionale Empfehlung.

Konkret auf „nicht verwenden“ gesetzt

  • Neu dagegen: Betablocker · Antipyretika (nur fürs Outcome) · Vitamin D · Probiotika · Candida-Biomarker zur Steuerung der Antimykotika-Therapie · XueBiJing.
  • Weiterhin dagegen (schon 2021): IV Vitamin C (klarer nach LOVIT) · IV Immunglobuline · Terlipressin.

Wichtig, um Fehldeutungen zu vermeiden

  • Vitamin C ist KEIN Kurswechsel — schon 2021 abgeraten, 2026 nur besser belegt.
  • MAP heißt nicht „niedriger für alle“, sondern altersdifferenziert — nur 65+ profitiert.
  • Die „dagegen“-Empfehlungen beruhen fast durchweg auf niedriger Evidenz — meist „kein Beleg für Nutzen“, kein endgültiges Nein.

Was bleibt

Norepinephrin als First-Line, Vasopressin additiv bei Eskalation; bei begleitender kardialer Dysfunktion Norepinephrin ODER Adrenalin als First-Line. Nach Redaktionsschluss publiziert: ANDROMEDA-SHOCK-2 stützt die Capillary-Refill-Time-gesteuerte Resuscitation.


Quelle: Prescott, Antonelli, Alhazzani et al. Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines 2026. Intensive Care Med 2026;52:863–936 (DOI: 10.1007/s00134-026-08361-1); zeitgleich Crit Care Med (DOI: 10.1097/CCM.0000000000007075).

Hinweis: Darstellung der Studienevidenz, keine individuelle Therapieempfehlung.

Wie du motiviert bleibst, in der Notfallmedizin zu arbeiten

Die Arbeit in der Notfall- und Intensivmedizin ist eine der anspruchsvollsten und zugleich erfüllendsten Berufe im Gesundheitswesen. Die hohen Anforderungen, unvorhersehbaren Arbeitszeiten und emotionalen Belastungen können jedoch zu Erschöpfung und Demotivation führen. Hier sind einige Strategien, wie du die Motivation in diesem herausfordernden Berufsfeld aufrechterhalten kannst:

Foto: Unsplash

Digital Health – Chance für die Medizin und Karrierechance für Kliniker

Podcastinterview mit Prof. Dr. Philipp Lacour

Keine Entwicklung wird die Medizin so sehr verändern wie die Digitalisierung. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Schlagwort Digital Health?

Wie können wir die digitale Transformation vorantreiben und welche Chancen bietet sie für die Klinik aber auch für jeden Einzelnen?

Das frage ich Prof. Dr. Philipp Lacour, der an der IB Hochschule den Bachelor- und Master-Studiengang für Digital Health leitet.

Hier der Link zum Bachelor Studiengang Digital Health:

https://www.ib-hochschule.de/bachelor-studiengaenge/ausbildungs-und-berufsbegleitend/digital-health/

Die Kunst der Vorbereitung: So werden gute Vorträge gemacht

Envato

In dieser Podcast-Episode tauchen wir ein in die Welt der Vortragsvorbereitung. Egal, ob du ein erfahrener Redner bist oder gerade erst deine ersten Schritte auf der Bühne wagst, diese Folge liefert wertvolle Einblicke und praktische Tipps, um deine Vorträge auf ein neues Level zu bringen.

Diese Episode richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen und ist für alle gedacht, die ihre Präsentationsfähigkeiten auf das nächste Level bringen möchten. Egal, wo Du tätig bist – diese Episode -so hoffe ich- wird dich inspirieren und mit neuen Erkenntnissen versorgen.

Ein Buch – Warum, wie und wann?

Viele von Euch haben Euch haben sicher mitbekommen, dass ich ein Buch geschrieben habe, welches vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Ihr könnt es hier erwerben.

Hierzu stellen mir viele Menschen oft interessiert Fragen. Hier sind die Top 3 Fragen und die Antworten:

Das SPIEGEL-Daily-Podcast-Team zu Gast auf der Intensivstation

Zwei Tage begleiteten uns Regina Steffens und Robert Hauspurg mit Mikro. Und es ging gleich hoch her. Das Ergebnis hört Ihr in diesem Podcast bei Audible. Er ist ausnahmsweise NICHT hinter der Paywall und somit für jedermann frei zugänglich, DANKE dafür.

Show Poster

Eine persönliche Ergänzung: In dem Podcast ist viel von meiner Person die Rede. Intensivmedizin ist aber selbstverständlich und ohne jede Frage ein absoluter Teamsport. Die erreichten Ergebnisse können wir nur erzielen, weil ganz viele Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Physios, Atemtherapeuten, Servicekräfte, MDAs und TAs verschiedener Couleur an einem Strang ziehen und hart arbeiten! Und das auf ganz vielen Intensivstationen der Charité, bei Vivantes und überall in Deutschland!

Zu Gast bei Joko und Klaas Live

 

Spannende Zeiten sind das. Auf Einladung von Joko und Klaas durfte ich die Sicht der Intensivmedizin auf die aktuelle Pandemie-Situation schildern. Ich hatte am Rande der Veranstaltung auch kurz Gelegenheit, mit Luisa ins Gespräch zu kommen. Sie erzählte mir noch einmal ausführlicher, was für ein Glück sie hatte, dass sie in dem spanischen Krankenhaus die einzig verfügbare ECMO bekommen hatte. Sie hat nach langem Aufenthalt stark gekämpft, aber leidet weiter an den Folgen der Erkrankung.

Interview Teil 2

Heute stellt Carl Gierstorfer mir die Fragen

Carl Gierstorfer

Der Dokumentarfilmer Carl Gierstorfer hat uns drei Monate lang auf der Intensivstation begleitet. Herausgekommen ist diese authentische, unverblendete und sehr persönliche Dokumentation. Carl ist dafür an seine Grenzen gegangen und hat einen sehr guten Job gemacht. Das alles übrigens hat er ungeimpft mit einem hohen persönlichen Risiko gemacht. Im ersten Teil hatte ich Gelegenheit, meine Fragen los zu werden, heute dreht er den Spieß um.

 

 

Pandemia Podcast

Zwischen Therapie und Trauma: Covid-19 auf der Intensivstation

Im Zuge der TV-Doku über die Situation auf der Intensivstation hat mich Laura Salm interviewt. Der Pandemia-Podcast „Zwischen Therapie und Trauma: Covid-19 auf der Intensivstation“ mit Laurence Erdur, Andreas Krennmair Carl Gierstorfer und mir (uvm)

Carl Gierstorfer, Docdays

ist nun hier abrufbar.