Zeigt ein Urinmarker früher als eGFR und Albuminurie, dass die Nierenfunktion abnimmt?

Die Risikoeinschätzung bei chronischer Nierenerkrankung ruht auf drei Säulen: eGFR, Albuminurie und Grunderkrankung. So sieht es auch die KDIGO-Leitlinie 2024 vor. Diese Werte sind unverzichtbar, sie messen aber nicht direkt, was im Tubulointerstitium passiert. Tubulointerstitielle Fibrose und Tubulusatrophie in der Biopsie haben eine eigene prognostische Aussagekraft. Die Biopsie ist jedoch invasiv und wird nur gezielt eingesetzt.

Zeigt ein Urinmarker früher als eGFR und Albuminurie, dass die Nierenfunktion abnimmt?

Ab welchem Blutzucker bekommt ein Intensivpatient Insulin?

Kritische Erkrankung, Operation und Trauma lösen eine Stressreaktion aus. Die Folge sind Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte. Der Zusammenhang zwischen Blutzucker und Sterblichkeit auf der Intensivstation verläuft U-förmig, mit dem niedrigsten Risiko im altersentsprechenden Nüchternbereich. Solche Beobachtungsdaten sind allerdings durch die Schwere der Erkrankung verzerrt, weshalb es randomisierte Studien braucht.

Ab welchem Blutzucker bekommt ein Intensivpatient Insulin?

Albumin oder Gesamteiweiß im Urin: Macht es für die Prognose bei CKD einen Unterschied?

Die Leitlinien empfehlen zur Einschätzung der chronischen Nierenerkrankung die Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin (UACR). Der Grund: Sie ist statistisch enger mit Nierenversagen verbunden als die Protein-Kreatinin-Ratio (UPCR). Die UACR braucht aber ein immunturbidimetrisches Verfahren, das nicht überall verfügbar ist. Die UPCR läuft mit breit verfügbarer Kolorimetrie.

Albumin oder Gesamteiweiß im Urin: Macht es für die Prognose bei CKD einen Unterschied?

Wann solltest du bei Bluthochdruck an einen primären Hyperaldosteronismus denken?

Der primäre Hyperaldosteronismus ist häufig und bleibt oft unerkannt. Ein JAMA Insights von Rafey, Davis und Hamrahian fasst zusammen, was die Leitlinien der Endocrine Society und von AHA und ACC aus dem Jahr 2025 zu Screening, Diagnostik und Therapie sagen. Es ist eine kurze klinische Übersicht, keine neue Studie. Für den Alltag ist sie trotzdem nützlich, weil sie die beiden Leitlinien nebeneinanderstellt.

Wann solltest du bei Bluthochdruck an einen primären Hyperaldosteronismus denken?

Weniger ist mehr: Vier Ernährungs-Reflexe auf der Intensivstation

Patel & McClave räumen im NEJM mit vier verbreiteten Reflexen der intensivmedizinischen Ernährungstherapie auf.

Kaum eine Komponente der Intensivtherapie beruht so sehr auf dem Bauchgefühl wie die Ernährungstherapie. Oft dominieren Mythen und Reflexe — Patel und McClave räumen im NEJM (9. Juli 2026) damit auf.

Reflex 1: So früh und so voll wie möglich ernähren

Früh ja — enteral in 24–36 Stunden. Voll nein: ca. 25 % des Energieziels reichen in der Frühphase. NUTRIREA-3 (n = 3.044): 6 vs. 25 kcal/kg/Tag → schnellere Entlassungsreife, weniger schwere gastrointestinale Komplikationen unter der niedrigen Dosis. Unter Noradrenalin > 0,5 µg/kg/min ist die frühe volle Dosis schädlich.

Reflex 2: Viel Eiweiß rettet Muskelmasse

Tut es nicht. EFFORT Protein (n = 1.301): ≥ 2,2 vs. ≤ 1,2 g/kg/Tag → kein Unterschied in der Zeit bis zur lebenden Entlassung an Tag 60; Schadenssignal bei hoher Krankheitsschwere und bei akuter Nierenschädigung ohne Nierenersatz. TARGET Protein (JAMA 2025): Tage lebend außerhalb der Klinik an Tag 90 im Median 62 vs. 64. ESPEN 2023: in Woche 1 schrittweise auf 1,3 g/kg/Tag. Grund ist die Anabolieresistenz — kritisch Kranke bauen nur ~60 % der Aminosäuren in Muskelprotein ein.

Reflex 3: Immer über die Sonde, die Vene nur im Notfall

Early PN, CALORIES und NUTRIREA-2 (zusammen > 6.000 Patient:innen): keine Mortalitätsunterschiede, keine zusätzlichen Infektionen. Kurzzeitige intravenöse Ernährung ist sicher, wenn die Sonde nicht geht. Enteral bleibt erste Wahl — aber ohne Dogma.

Reflex 4: Der Magenrest zeigt, ob die Ernährung ankommt

Tut er nicht. REGANE, NUTRIREA-1 und eine Metaanalyse (7 Studien, n = 1.240): keine Reduktion der Pneumonien, keine kürzere Liegedauer — dafür unnötige Ernährungspausen. Diese Routine gehört abgeschafft.

Aktiv verhindern: das Refeeding-Syndrom

Im REFEEDING-RCT lag das 60-Tage-Überleben unter kalorischer Restriktion bei 91 vs. 78 % (p = 0,002). Also: Thiamin 100–300 mg/Tag i.v. ab Ernährungsbeginn (ASPEN 2020), Phosphat/Magnesium/Kalium engmaschig, Blutzucker < 180 mg/dl (SCCM 2024).

Fazit

„Weniger ist mehr“ gilt für die Akutphase, nicht für die Erholungsphase (rund 2 % Muskelverlust pro Tag). Mangelernährte wurden aus den meisten Studien ausgeschlossen — ob gerade sie von mehr profitieren, bleibt die eigentliche Forschungslücke. Ernährung in der Akutphase ist keine Substitution, sondern eine Dosisfrage — und die Dosis ist kleiner als unser Reflex.


Quelle: Patel & McClave, N Engl J Med 2026;395:162–174 (DOI: 10.1056/NEJMra2506111).

Hinweis: Darstellung der Studienevidenz, keine individuelle Therapieempfehlung.

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