Vadadustat statt Erythropoetin: Gleich wirksam gegen die Anämie an der Dialyse?

Fast jeder Dialysepatient hat eine renale Anämie, und sie trägt zum hohen kardiovaskulären Risiko bei. Seit über 30 Jahren behandeln wir sie mit Erythropoese-stimulierenden Substanzen (ESA), also Erythropoetin und seinen Abkömmlingen. Vadadustat greift anders an. Der orale HIF-Prolylhydroxylase-Hemmer wurde 2024 zugelassen. Eine pragmatische randomisierte Studie hat jetzt Vadadustat dreimal pro Woche gegen ESA bei Hämodialysepatienten verglichen. Vorgestellt wurde sie als Late-Breaking Trial auf der ASN Kidney Week 2026 in Denver.

Vadadustat gegen Erythropoetin bei Hämodialyse: Hämoglobin vergleichbar, 16 Prozent mehr günstige Verläufe, kein Unterschied im Überleben

Hochdosiertes Vitamin D an der Dialyse: Senkt es die Sterblichkeit?

Ein Vitamin-D-Mangel ist bei Dialysepatienten häufig. Ob hohe Dosen das Leben verlängern oder schwere Komplikationen verhindern, war bisher offen. Die SIMPLIFIED-Studie ist dieser Frage nachgegangen. Vorgestellt wurde sie als Late-Breaking Trial auf der ASN Kidney Week 2026 in Denver.

SIMPLIFIED-Studie: hochdosiertes Vitamin D bei Dialysepatienten ohne signifikanten Unterschied bei Sterblichkeit, Klinikaufnahmen, Infektionen und Frakturen

Ravulizumab bei IgA-Nephropathie: Senkt ein Komplementhemmer die Proteinurie?

Bei der IgA-Nephropathie ist das Komplementsystem an der fehlgeleiteten Immunreaktion beteiligt, die den Glomerulus schädigt. Ravulizumab ist ein terminaler Komplementhemmer, der bereits für vier andere Indikationen zugelassen ist. Die Phase-3-Studie I CAN prüft ihn jetzt bei Erwachsenen mit primärer IgA-Nephropathie, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert und weltweit. Eine vorab geplante Zwischenanalyse nach 34 Wochen wurde als Late-Breaking Trial auf der ASN Kidney Week 2026 in Denver vorgestellt.

Ravulizumab bei IgA-Nephropathie, Zwischenanalyse I CAN: Proteinurie signifikant gesenkt, Daten zur Nierenfunktion folgen in Woche 106

Telitacicept bei IgA-Nephropathie: Wie stark sinkt die Proteinurie in 39 Wochen?

Die IgA-Nephropathie ist die häufigste primäre Glomerulonephritis weltweit. Das mediane Nierenüberleben bis zur Dialysepflicht liegt nach Kohortendaten bei etwa 11 Jahren in China und 12 Jahren in Großbritannien. Am Anfang der Erkrankung steht galaktosedefizientes IgA1, dessen Bildung von den Zytokinen BAFF und APRIL gesteuert wird. Telitacicept ist ein TACI-Fc-Fusionsprotein, das beide Zytokine abfängt. In China ist es bereits für Lupus, rheumatoide Arthritis und Myasthenia gravis zugelassen. Im New England Journal of Medicine ist die Zwischenanalyse der Phase-3-Studie TELIGAN erschienen. Telitacicept gehört wie Atacicept zu den TACI-Fc-Fusionsproteinen. Für Atacicept und Sibeprenlimab liegen inzwischen Zweijahresdaten zur Nierenfunktion vor.

Telitacicept gegen Placebo bei IgA-Nephropathie: Senkung der Proteinurie nach 39 Wochen 58,9 gegen 8,8 Prozent

Sibeprenlimab bei IgA-Nephropathie: Bleibt die Nierenfunktion über zwei Jahre stabil?

Viele Patienten mit IgA-Nephropathie verlieren trotz RAS-Blockade weiter Nierenfunktion und erreichen innerhalb von 10 bis 15 Jahren ein Nierenversagen. Die KDIGO-Leitlinie 2025 empfiehlt deshalb, zwei Dinge zu behandeln: die immunologischen Treiber der Erkrankung und die allgemeinen Folgen des Nephronverlusts. Sibeprenlimab zielt auf den ersten Punkt. Der monoklonale Antikörper blockiert selektiv das Zytokin APRIL, das in B-Zellen die Bildung von IgA und galaktosedefizientem IgA1 antreibt und Plasmazellen am Leben hält. Im New England Journal of Medicine sind jetzt die finalen Ergebnisse der Phase-3-Studie VISIONARY erschienen. Am selben Tag erschien dort die Studie ORIGIN 3 zu Atacicept, das BAFF und APRIL zugleich hemmt.

Sibeprenlimab gegen Placebo bei IgA-Nephropathie: Nierenfunktionsverlust oder Nierenversagen 0,4 gegen 11,2 Prozent, HR 0,029

Atacicept bei IgA-Nephropathie: Bleibt die Nierenfunktion damit stabil?

Die IgA-Nephropathie ist die häufigste Glomerulonephritis weltweit und trifft meist junge Erwachsene. Trotz RAS-Blockade und SGLT2-Hemmer verlieren viele Patienten weiter Nierenfunktion. Mindestens die Hälfte erreicht innerhalb von 10 bis 20 Jahren nach der Diagnose ein Nierenversagen oder stirbt. Atacicept setzt weiter vorne an. Das TACI-Fc-Fusionsprotein hemmt BAFF und APRIL und bremst damit die B-Zellen und Plasmazellen, die galaktosedefizientes IgA1 bilden. Im New England Journal of Medicine ist jetzt die finale Wirksamkeitsauswertung der Phase-3-Studie ORIGIN 3 erschienen.

Atacicept gegen Placebo bei IgA-Nephropathie: Fortschreiten der Nierenerkrankung 5,1 gegen 17,8 Prozent, HR 0,24

Was Ärzte vom Segeln lernen können: Ein Blick auf Teamwork, Resilienz und Innovation

Das Segeln und die Medizin mögen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten sein, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich einige Parallelen und wertvolle Lektionen, die Mediziner von Seglern lernen können. Beide Bereiche erfordern Präzision, Teamarbeit, Anpassungsfähigkeit und ständige Innovation. Hier beleuchten wir, welche Erkenntnisse aus dem Segelsport in den medizinischen Alltag integriert werden können.

1. Teamarbeit und Kommunikation

Auf einem Segelboot ist Teamarbeit von entscheidender Bedeutung. Jede Person an Bord hat eine spezifische Rolle, und nur durch effektive Kommunikation und Zusammenarbeit kann das Boot sicher navigiert werden. Dies gilt ebenso für das Gesundheitssystem. In Krankenhäusern und Kliniken arbeiten Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten und Verwaltungskräfte Hand in Hand, um die bestmögliche Versorgung der Patienten sicherzustellen. Eine klare Kommunikation und ein harmonisches Miteinander sind dabei unerlässlich.

Lektion: Regelmäßige Teambesprechungen und klar definierte Kommunikationswege können helfen, Missverständnisse zu vermeiden und die Patientenversorgung zu verbessern.

2. Resilienz und Stressbewältigung

Segler sind oft extremen Bedingungen ausgesetzt – von stürmischen Winden bis hin zu langen Zeiten der Isolation auf See. Diese Herausforderungen erfordern eine hohe psychische und physische Belastbarkeit. Ähnlich stehen Ärzte unter ständigem Druck, schnelle und präzise Entscheidungen treffen zu müssen, oft in lebensbedrohlichen Situationen.

Lektion: Der Aufbau von Resilienz ist entscheidend. Stressmanagement-Programme und regelmäßige psychologische Unterstützung können helfen, die Belastbarkeit des medizinischen Personals zu stärken.

3. Anpassungsfähigkeit und Improvisation

Beim Segeln kommt es häufig zu unvorhergesehenen Ereignissen, die schnelles Handeln und kreative Lösungen erfordern. Ob ein plötzlicher Wetterumschwung oder technische Probleme – Flexibilität und Improvisationstalent sind gefragt. Auch im medizinischen Bereich ist die Fähigkeit, sich schnell an neue Situationen anzupassen, von unschätzbarem Wert. Dies zeigte sich besonders während der COVID-19-Pandemie, als Gesundheitseinrichtungen weltweit gezwungen waren, ihre Arbeitsabläufe und Strukturen in kürzester Zeit anzupassen.

Lektion: Die Förderung einer Kultur der Flexibilität und Innovationsfreude kann dazu beitragen, dass medizinische Teams besser auf unvorhergesehene Herausforderungen reagieren können.

4. Weiterbildung und Training

Segler durchlaufen intensive Trainingsprogramme, um auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereitet zu sein. Regelmäßige Fortbildungen und Übungen sind ein fester Bestandteil ihres Lebens. Auch im medizinischen Bereich ist kontinuierliche Weiterbildung essentiell, um auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben und die Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.

Lektion: Investitionen in regelmäßige Fort- und Weiterbildungen sowie Simulationstrainings können die Kompetenzen des medizinischen Personals erheblich steigern.

5. Sicherheitskultur

Der Segelsport legt großen Wert auf Sicherheitsprotokolle und Präventionsmaßnahmen. Sicherheitstraining und das Bewusstsein für potenzielle Gefahren sind integrale Bestandteile der Ausbildung von Seglern. In der Medizin kann eine starke Sicherheitskultur dazu beitragen, Fehler zu minimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Lektion: Die Implementierung strenger Sicherheitsprotokolle und regelmäßiger Schulungen kann dazu beitragen, das Risiko von Behandlungsfehlern zu verringern und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Fazit

Das Segeln bietet viele wertvolle Lektionen für den medizinischen Bereich. Durch die Übernahme von Prinzipien wie Teamarbeit, Resilienz, Anpassungsfähigkeit, kontinuierliche Weiterbildung und einer starken Sicherheitskultur können Gesundheitseinrichtungen ihre Effizienz und Qualität der Versorgung verbessern. Letztlich profitieren sowohl das medizinische Personal als auch die Patienten von diesen integrierten Ansätzen. In einer immer komplexer werdenden Welt ist es entscheidend, über den Tellerrand zu schauen und aus den Erfahrungen anderer Bereiche zu lernen.

Eculizumab bei Goodpasture zur Standardtherapie hinzu?

Die Anti-GBM-Erkrankung ist selten, und sie verzeiht wenig. Wer mit rasch progredienter Glomerulonephritis kommt, bei Diagnose schon dialysepflichtig ist und in der Biopsie Halbmonde in über 85 Prozent der Glomeruli zeigt, hat unter der Standardtherapie aus Plasmaapherese, Cyclophosphamid und Steroiden eine schlechte Prognose. Etwa ein Drittel spricht nicht ausreichend an.

Eculizumab bei Goodpasture zur Standardtherapie hinzu?

Surviving Sepsis Campaign 2026: Der Trend heißt Weglassen

Rund 90 Empfehlungen — und das auffälligste Muster ist, was künftig NICHT mehr gegeben werden soll.

Die Surviving Sepsis Campaign 2026 ist veröffentlicht (ESICM/SCCM, zeitgleich in Intensive Care Medicine und Critical Care Medicine, rund 90 Empfehlungen) — und der auffälligste Trend ist Weglassen.

Die konkreten Änderungen (2021 → 2026)

  • MAP-Zielwert: 2021 einheitlich 65 mmHg. 2026 differenziert — ab 65 Jahren 60–65 mmHg (niedriger), sonst weiter 65 mmHg. Grundlage: ein offener Trial bei 65+ zeigte für das niedrigere Ziel eine geringere Mortalität (RR 0,89; 95 %-KI 0,81–0,98).
  • Betablocker im septischen Schock (Esmolol/Landiolol): 2026 neu — Empfehlung dagegen.
  • Fieber senken: 2026 dagegen, wenn Antipyretika allein zur „Outcome-Verbesserung“ gegeben werden (13 RCTs, 3.333 Patient:innen, kein Mortalitätsvorteil: RR 1,02). Zur Symptomkontrolle bleiben sie ok.
  • Klinik-Programm: Screening + SOPs ausgeweitet zur STARKEN Empfehlung; „Code Sepsis“/„Sepsis-Huddle“ neu als konditionale Empfehlung.

Konkret auf „nicht verwenden“ gesetzt

  • Neu dagegen: Betablocker · Antipyretika (nur fürs Outcome) · Vitamin D · Probiotika · Candida-Biomarker zur Steuerung der Antimykotika-Therapie · XueBiJing.
  • Weiterhin dagegen (schon 2021): IV Vitamin C (klarer nach LOVIT) · IV Immunglobuline · Terlipressin.

Wichtig, um Fehldeutungen zu vermeiden

  • Vitamin C ist KEIN Kurswechsel — schon 2021 abgeraten, 2026 nur besser belegt.
  • MAP heißt nicht „niedriger für alle“, sondern altersdifferenziert — nur 65+ profitiert.
  • Die „dagegen“-Empfehlungen beruhen fast durchweg auf niedriger Evidenz — meist „kein Beleg für Nutzen“, kein endgültiges Nein.

Was bleibt

Norepinephrin als First-Line, Vasopressin additiv bei Eskalation; bei begleitender kardialer Dysfunktion Norepinephrin ODER Adrenalin als First-Line. Nach Redaktionsschluss publiziert: ANDROMEDA-SHOCK-2 stützt die Capillary-Refill-Time-gesteuerte Resuscitation.


Quelle: Prescott, Antonelli, Alhazzani et al. Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines 2026. Intensive Care Med 2026;52:863–936 (DOI: 10.1007/s00134-026-08361-1); zeitgleich Crit Care Med (DOI: 10.1097/CCM.0000000000007075).

Hinweis: Darstellung der Studienevidenz, keine individuelle Therapieempfehlung.

Je überzeugender die KI klingt, desto schwerer sind ihre Fehler zu erkennen

Ein Mann, 61 Jahre, kommt mit zunehmender Atemnot. Der Assistenzarzt denkt an eine dekompensierte Herzinsuffizienz und lässt seine Verdachtsdiagnose von einem KI-System gegenprüfen. Das System bestätigt ihn und schlägt die leitliniengerechte Therapie vor. Er übernimmt den Plan.

Je überzeugender die KI klingt, desto schwerer sind ihre Fehler zu erkennen