Drei KI-Tools, die unseren klinischen Alltag verändern – jetzt, nicht irgendwann

Nephrologie · Digitale Medizin

KI wird unseren Workflow mehr verändern, als wir uns heute schon vorstellen können. Noch unterschätzen wir das. Wer jetzt anfängt, die richtigen Tools zu nutzen, gewinnt Zeit, Qualität – und Kontrolle darüber, wie diese Veränderung stattfindet.


1 OpenEvidence

Evidenzbasierte Entscheidungsunterstützung am Point of Care

Wer klinische Fragen schnell und belastbar beantworten will, kommt an OpenEvidence kaum vorbei. Das Tool greift auf über 35 Millionen peer-reviewte Quellen zurück, zeigt zu jeder Antwort die zugrundeliegende Literatur – und sagt klipp und klar, wenn die Evidenzlage dünn ist. Das unterscheidet es von generischen Chatbots, die keine Quellenangaben machen und Lücken mit plausibel klingendem Text füllen.

In der Praxis ist OpenEvidence ein echter Gewinn: Leitlinienabfragen, Dosierungsfragen, differenzialdiagnostische Überlegungen – alles in Sekunden, belegt und nachvollziehbar. Der Zugang ist auf verifizierte Ärzte beschränkt, was die Qualität des Systems sichert.

Kritisch bleiben: Kein Tool ist fehlerfrei. Gelegentlich fehlen aktuelle oder spezialisierte Quellen – besonders in Nischenbereichen wie der Nephrologie. Antworten kritisch lesen, bei relevanten Entscheidungen gegenprüfen. OpenEvidence ist Unterstützung, kein Ersatz für klinisches Urteilsvermögen.


2 NotebookLM

Komplexe Quellen verstehen, aufbereiten, weiterverwenden

NotebookLM von Google löst ein Problem, das jeder kennt: Stapel von PDFs, Leitlinien, Webseiten und Videovorlesungen, die man eigentlich lesen, hören oder strukturieren wollte – und es nie schafft. Man lädt die Quellen hoch, und das Tool antwortet ausschließlich auf dieser Basis. Keine externen Halluzinationen, kein generisches Wissen – nur das, was man selbst eingespeist hat.

Was das Werkzeug besonders macht: Es transformiert Inhalte. Aus einem komplexen Review-Artikel lässt sich ein strukturiertes PDF erstellen, ein Podcast-Script, eine Zusammenfassung für Weiterbildungszwecke – oder ein kurzes Audio, das man beim Pendeln hören kann. Das spart nicht nur Zeit, es verändert, wie man mit Wissen umgeht.

Hinweis: Auch hier gilt: Die KI kann Fehler machen, besonders bei komplexen oder mehrdeutigen Quellen. Ergebnisse vor Weiterverwertung prüfen – vor allem, wenn sie in die Patientenversorgung oder Lehre einfließen sollen.


3 Claude

Vielseitiger KI-Assistent – mit klaren Grenzen im klinischen Kontext

Claude (von Anthropic) ist ein leistungsfähiger generativer KI-Assistent, der für sehr unterschiedliche Aufgaben nützlich ist: Texte strukturieren, Briefe formulieren, komplexe Sachverhalte erklären, Literatur zusammenfassen, Ideen entwickeln oder CME-Inhalte vorbereiten. Wer viel schreibt, plant oder recherchiert, wird schnell merken, dass Claude substanzielle Arbeitszeit einspart.

Anders als OpenEvidence ist Claude kein spezialisiertes Medizintool – es ist ein Allrounder mit hohem Sprachniveau und guter Kontextsensitivität. Es versteht medizinische Fachsprache, kann nephrologische Sachverhalte differenziert erläutern und ist in der Lage, aus langen Texten prägnante Strukturen zu destillieren.

Datenschutz – DSGVO zwingend beachten: Keine Patientendaten, keine personenbezogenen Informationen in Claude eingeben. Die Standardversion speichert Konversationen, und eine EU-konforme Datenverarbeitung nach DSGVO ist in der Basisversion nicht garantiert. Für administrative und konzeptionelle Aufgaben ohne Patientenbezug ist Claude hervorragend geeignet – sobald es um klinische Dokumentation oder patientenbezogene Inhalte geht, müssen datenschutzrechtliche Anforderungen (DSGVO, ggf. §203 StGB) konsequent eingehalten werden.


Diese drei Tools sind keine Spielerei – sie sind bereits jetzt im Einsatz, und ihre Möglichkeiten wachsen schnell. Die entscheidende Frage ist nicht ob KI unseren Alltag verändert, sondern ob wir diese Veränderung aktiv gestalten oder passiv erleben. Wer jetzt anfängt zu verstehen, was diese Werkzeuge leisten, wird besser vorbereitet sein – für das, was noch kommt.

Safety First in der Intensiv- und Notfallmedizin

6 Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit

Die Intensiv- und Notfallmedizin ist eine besonders sensible und herausfordernde Umgebung, in der die Patientensicherheit von entscheidender Bedeutung ist.

Foto von JC Gellidon auf Unsplash

Das stressiges und unruhige Arbeitsumfeld begünstigt Fehler in der Patientenversorgung ebenso wie eine mitunter dünne Personaldecke und punktuell erhöhtes Arbeitsaufkommen. Umso mehr muss in die Verbesserung der Patientensicherheit investiert werden, um Fehler in der Versorgung zu vermeiden.

Hier sind sechs konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit in der Intensiv- und Notfallmedizin:

  1. Einführung von Checklisten und standardisierten Protokollen: Die Implementierung von Checklisten für häufige Notfall- und Intensivbehandlungen sowie die Entwicklung standardisierter Protokolle für kritische Situationen können dazu beitragen, potenzielle Fehler zu vermeiden und eine konsistente Behandlungsqualität sicherzustellen.
  2. Regelmäßige Schulungen und Simulationen: Kontinuierliche Schulungen und Simulationen für das medizinische Personal in der Intensiv- und Notfallmedizin sind entscheidend, um die Fähigkeiten und das Wissen bei der Behandlung von lebensbedrohlichen Situationen zu verbessern. Diese Schulungen sollten gerade auch Teamarbeit und Kommunikation in Stresssituationen fördern.
  3. Einsatz von Technologie zur Unterstützung der Patientenüberwachung: Fortschrittliche Technologien zur Überwachung von Vitalparametern und zur Früherkennung von Komplikationen können dazu beitragen, die Patientensicherheit zu verbessern, indem sie es dem medizinischen Personal ermöglichen, schnell auf sich verändernde Zustände zu reagieren und angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Hier stehen wir noch sehr am Anfang der Entwicklung, wir sollten aber an der Fortentwicklung teil haben und sie aktiv befördern.
  4. Förderung einer offenen Kommunikationskultur: Eine offene und transparente Kommunikationskultur zwischen allen Mitgliedern des Behandlungsteams ist entscheidend, um potenzielle Fehler und Missverständnisse zu vermeiden. Ein regelmäßiger Austausch von Informationen und die Klärung von Fragen können dazu beitragen, die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.
  5. Sicherstellung angemessener Personalressourcen: Die Bereitstellung ausreichender Personalressourcen in der Intensiv- und Notfallmedizin ist unerlässlich, um eine qualitativ hochwertige Versorgung und eine angemessene Überwachung der Patienten sicherzustellen. Eine angemessene Personalbesetzung reduziert nachgewiesenermaßen das Risiko von Überlastung und ermöglicht eine bessere Aufmerksamkeit für jeden Patienten.
  6. Etablierung von Qualitätskontroll- und Verbesserungsprogrammen: Die Implementierung von Qualitätskontroll- und Verbesserungsprogrammen ermöglicht es, kontinuierlich die Sicherheitsstandards zu überprüfen und zu verbessern. Durch regelmäßige Überprüfungen, Audits und Rückmeldungen können Schwachstellen identifiziert und Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung eingeleitet werden.

Wenn diese Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, können wir die Patientensicherheit in der Intensiv- und Notfallmedizin verbessern und eine qualitativ hochwertige Versorgung für kritisch kranke Patienten gewährleisten. Welche Maßnahmen haben in Eurer Institution die Versorgung verbessert? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

Foto von JC Gellidon auf Unsplash

Shared Decision Making in der Intensivmedizin

Eine Schlüsselkomponente für eine ganzheitliche Patientenversorgung

In der Welt der Intensivmedizin stehen Ärzte oft vor schwierigen Entscheidungen, die das Leben ihrer Patienten beeinflussen können. In solch kritischen Situationen ist die geteilte Entscheidungsfindung zu einer entscheidenden Komponente für eine ganzheitliche und patientenzentrierte Versorgung geworden. Diese Praxis ermöglicht es Patienten und ihren Familien, aktiv am Entscheidungsprozess teilzunehmen und ihre persönlichen Werte und Präferenzen zu berücksichtigen.

Wir müssen mal reden!

Effektive Kommunikation auf der Intensivstation

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Ein wesentlicher Punkt erfolgreicher interdisziplinärer Zusammenarbeit ist eine effektive Kommunikation. Der klinische Alltag zeigt aber:  das ist gar nicht so einfach! Wenn man diese sechs Regeln einhält ist es aber auch nicht so schwer…

UpToDate auf’s Handy. Kostenlos und simpel.

Charité-Angehörige, ONLY... sorry...

Zu meiner Überraschung wissen nur wenige Charité-Mitarbeiter und -Studenten, dass man UpToDate auf das Handy holen kann. Kostenlos und unkompliziert. In diesem kurzen Tutorial zeige ich, wie es geht.

Technology and digitalisation: They don’t care…

Certain developments of medicine are absolutely disliked by us doctors.  But wishing for something to disappear, doesn’t make it go away.

Technology and digitalization are here and they are here to stay. While in the last decades instruments of artificial intelligence mostly assisted and supported doctors, soon they’ll start to replace doctors.

Both of them don’t care, that doctors did an unbelievable job in the last decades.

Technology and digitalization don’t care that there are extremely experienced radiologists, who could discriminate bronchial carcinoma from calcification better than all of their colleagues. Very soon, Watson will take care of that. They are faster, have terabytes (meaning centuries!) of experience. Who wants to compete with that? Thanks radiologists, we don’t need you anymore.

Technology and digitalization don’t care that there are extremely gifted surgeons, who invested decades of their lifetime to learn one operation technique, which now they are the best at with the lowest complication rates. Now we’ve got the DaVinci, that sutures a grape in a freaking bottle. A bottle!! More precise results, less complication rates and they don’t sleep. And we shouldn’t fool anybody, especially not ourselves: Today, everyone is saying they don’t want to be operated on by a robot. That’ll change, once patients figure out how much better they are at operating.

My generation of physicians denies and fights the possibility that doctors will be replaced by robots.

The next generation of physicians will spend most of the time teaching robots to be, think and act like a physician.

The really exciting question is, whether after that we’ll need human physicians how we know it. I don’t have an answer. But I doubt it.

Medicine 4.0: Does The Patient Profit, Too?

The digitalization of medicine is going forward rapidly. I am a big fan myself. 

Thanks to my smartphone and well-aligned apps, my clinical workflow is in order and guarantees easy access to relevant information.   
 
But these tools don’t replace good, patient-focused medicine. They are no more than tools. Used in the wrong manner, they can be a not only a distraction but an obstacle to good medicine. 

Upcoming Webinar: Productivity in Medicine

My 3 Most Important Tools

Time is the most precious resource we have. In the upcoming webinar I share my most important tools I use to ensure that I use my time efficiently.

 

I invite you to join me in this webinar. You will learn the tools I use

 

  • to effectively communicate with colleagues and collaborators
  • to manage “input” (things I like to keep or remember)
  • to access medical information quickly
  • create a workflow with maximum productivity

 

 

Spots fill up quickly, so you should register to reserve your spot.

 

 

 

 

Stop Wasting Your Time With These Three Habits And Save One Hour Per Week.

Time is a precious resource. It is the most valuable resource we have, because as opposed to money and energy it can not be won back. Once it is lost, time is gone forever. So especially in the hospital I am quite intentional on how I spend my time.

And I am even more intentional about how not to spend it. Here are three things to cut out of your life to spend enormous amounts of time.

Become A Problem Solver By Asking The Right Question.

Every day I come across several problems that I am not responsible for:

  • Personal computer in the doctor’s room is slow.
  • Printer is out of toner.
  • Biopsy gun is broken.
  • Two out of three elevators don’t seem to work.
  • The only closet in the physician’s office is filled with old patient files.

All of these common problems not only cause delay in our workflow but lead to great frustration in your team. By choosing your reaction to all of these issues you make a great decision between ongoing frustration and improving the quality of your work.