Albumin in der Sepsis: die unendliche Geschichte, jetzt mit ARISS

Seit 20 Jahren zeigt der Punktschätzer in dieselbe Richtung — und trotzdem trifft keine RCT den primären Endpunkt sauber.

Albumin in der Sepsis — die unendliche Geschichte. In zwei großen Studien lag der Punktschätzer bei den schwer Kranken bei einem relativen Risiko (RR) von 0,87: in SAFE bei schwerer Sepsis (vorab festgelegte Subgruppe, Sterblichkeit nach 28 Tagen) und in ALBIOS bei septischem Schock (nachträgliche Analyse, Sterblichkeit nach 90 Tagen). Die Gesamtergebnisse beider Studien waren neutral. Eine zarte Tendenz zugunsten von Albumin in diesen Subgruppen — und trotzdem trifft keine adäquat gepowerte randomisierte kontrollierte Studie (RCT) je den primären Endpunkt sauber.

Infografik: ARISS, Tod bis Tag 90 bei 43,3 Prozent mit Albumin gegen 45,9 Prozent mit Standardtherapie, RR 0,94

Jetzt ist mit ARISS (JAMA Network Open 2026) die nächste Studie da: 440 Patienten mit septischem Schock auf 23 deutschen Intensivstationen, 90-Tage-Mortalität 43,3 % vs. 45,9 %, RR 0,94 (95-%-Konfidenzintervall 0,76–1,17). Die Rekrutierung blieb, auch wegen der COVID-19-Pandemie, weit unter der geplanten Fallzahl: 440 statt 1.662 Patienten. Die Studie ist damit unterpowert, die Autoren selbst nennen das Ergebnis „inconclusive“. Ein Sicherheitsproblem mit Albumin zeigte sich nicht.

Ehrlich eingeordnet

Mehrere RCTs, in den Subgruppen der schwer Kranken dieselbe Richtung, nie ein sauberer Treffer — das spricht weniger gegen Albumin als gegen unsere Fähigkeit, den Effekt (falls vorhanden) mit vertretbarer Fallzahl zu belegen. Die spannende Frage ist nicht mehr „ob überhaupt“, sondern „bei wem, wann und in welcher Dosis“.

Dazu kommt, dass der Vergleich in ARISS verwässert ist: 48,6 % der Kontrollgruppe bekamen ebenfalls Albumin, und mehr als die Hälfte der Albumin-Gruppe erreichte den Zielwert von mindestens 3,0 g/dl nicht.

Wie Albumin im septischen Schock auf der eigenen Station eingesetzt wird, diskutiere ich gern auf LinkedIn.


Quelle: Sakr Y et al. ARISS. JAMA Network Open 2026;9(2):e2559297. Finfer S et al. (SAFE). N Engl J Med 2004;350:2247–2256. Caironi P et al. (ALBIOS). N Engl J Med 2014;370:1412–1421. Dank an Yasser Sakr und Michael Bauer (Universitätsklinikum Jena) sowie die SepNet Critical Care Trials Group.

Hinweis: Darstellung der Studienevidenz, keine individuelle Therapieempfehlung.