Vadadustat statt Erythropoetin: Gleich wirksam gegen die Anämie an der Dialyse?

Fast jeder Dialysepatient hat eine renale Anämie, und sie trägt zum hohen kardiovaskulären Risiko bei. Seit über 30 Jahren behandeln wir sie mit Erythropoese-stimulierenden Substanzen (ESA), also Erythropoetin und seinen Abkömmlingen. Vadadustat greift anders an. Der orale HIF-Prolylhydroxylase-Hemmer wurde 2024 zugelassen. Eine pragmatische randomisierte Studie hat jetzt Vadadustat dreimal pro Woche gegen ESA bei Hämodialysepatienten verglichen. Vorgestellt wurde sie als Late-Breaking Trial auf der ASN Kidney Week 2026 in Denver.

Vadadustat gegen Erythropoetin bei Hämodialyse: Hämoglobin vergleichbar, 16 Prozent mehr günstige Verläufe, kein Unterschied im Überleben

Wichtig vorab: Eine Publikation gibt es noch nicht. Dieser Beitrag stützt sich allein auf die Pressemitteilung der American Society of Nephrology vom 23. Oktober 2026. Sie nennt keine Patientenzahlen und keine Konfidenzintervalle.

Was bisher bekannt ist

Laut Pressemitteilung hielt Vadadustat das Hämoglobin so gut wie die ESA-Therapie. Dazu kamen 16 Prozent mehr günstige Verläufe, vor allem durch weniger Krankenhausaufnahmen. Beim Gesamtüberleben gab es keinen Unterschied.

Der korrespondierende Autor Geoffrey Block, der bei dem US-Dialyseanbieter US Renal Care arbeitet, verweist auf eine frühere Arbeit im Journal of the American Society of Nephrology. Dort war tägliches Vadadustat mit dem gleichen Auswerteverfahren mit 14 Prozent mehr günstigen Verläufen gegenüber Darbepoetin verbunden. Wer die neue Studie finanziert hat, nennt die Mitteilung nicht.

Wie man das einordnen sollte

Drei Punkte bleiben offen, bis die Arbeit erschienen ist:

  1. Was „günstiger Verlauf“ bedeutet, sagt die Mitteilung nicht. Ohne die Definition des Endpunkts und die Gewichtung seiner Bestandteile lassen sich die 16 Prozent nicht bewerten.
  2. Zur kardiovaskulären Sicherheit enthält die Mitteilung keine Angabe. Bei einem neuen Wirkprinzip in einer Population mit hohem kardiovaskulärem Risiko ist das die entscheidende Frage.
  3. Eine pragmatische Studie bildet den Versorgungsalltag ab. Ob sie verblindet war und wie die Hämoglobinziele in beiden Armen gesteuert wurden, ist unbekannt.

Für die Praxis heißt das bis dahin: Die Daten sprechen dafür, dass Vadadustat dreimal pro Woche das Hämoglobin ähnlich hält wie ESA. Ob daraus ein Vorteil für Patienten folgt, lässt sich erst mit dem vollständigen Endpunkt und den Sicherheitsdaten beurteilen.

Sobald die Arbeit erschienen ist, folgt hier eine ausführliche Einordnung mit Zahlen.

Setzt man in der eigenen Dialyse schon HIF-Prolylhydroxylase-Hemmer ein? Erfahrungen und Meinungen gern in die Kommentare.

Quelle: American Society of Nephrology. Late Breaking, High-Impact Clinical Trials Featured at Kidney Week 2026. Pressemitteilung vom 23.10.2026. Studie: Vadadustat Three Times Weekly for the Treatment of Anemia in Patients Receiving Hemodialysis.